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Therapeutisches Reiten

Beim Therapeutischen Reiten können pädagogische, psychologische und psychotherapeutische Maßnahmen über das Medium Pferd umgesetzt werden. Auch zur Rehabilitation und zur sozialen Integration kann therapeutisches Reiten eingesetzt werden. Die Zielgruppen für eine Reittherapie bilden meist Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die an körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen leiden.

Beim Therapeutischen Reiten stehen die reiterlichen Fähigkeiten nur im Hintergrund – den Mittelpunkt bei den Reittherapien nimmt die Entwicklungsförderung ein. Dabei ist das therapeutische Reiten auf keinen Fall mit dem Behindertenreitsport zu verwechseln, da dieser eine eigene Sportart darstellt und keine spezielle Therapieform ist.

Die Pferde werden für das therapeutische Reiten speziell ausgebildet. Zu den Charaktereigenschaften der ausgesuchten Pferde für die Ausbildung müssen Ruhe, Geduld, Kontaktfreude und Sensibilität gehören. Meist kommen für das therapeutische Reiten Kleinpferde mit einem Stockmaß von 150 cm zum Einsatz, also zum Beispiel Haflinger oder Islandpferde.

Hinsichtlich der Kostenübernahme bleibt zu erwähnen, dass das Bundesministerium für Gesundheit im Jahr 2006 mitteilte, dass die Kosten für eine Hippotherapie nicht als verordnungsfähiges Heilmittel übernommen werden, da kein nachweisbarer Nutzen der Therapie vorliegt. Das Heilpädagogische Reiten und auch das Heilpädagogische Voltigieren werden oft von Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe angeboten und sind dann oft im Pflegesatz, zum Beispiel bei der Heimerziehung, enthalten. Oftmals sind aber auch diese Kosten privat zu übernehmen.

Das Therapeutische Reiten umfasst folgende Bereiche:

Heilpädagogisches Reiten

Das Heilpädagogische Reiten trägt zur körperlichen, geistigen, emotionalen und sozialen Förderung bei. Dabei werden bei der Arbeit mit den Pferden als Medium die Menschen ganzheitlich über sämtliche Sinne angesprochen. Beim Heilpädagogischen Reiten nimmt die Beziehung zum Pferd die tragende Rolle ein. Dabei wird seitens des Reittherapeuten der konstruktive Umgang miteinander in dem Beziehungsdreieck zwischen Patient, Pferd und Reittherapeut gefördert. Ziel des Heilpädagogischen Reitens ist die persönliche und soziale Entwicklung. Die jeweiligen Lern-Erfahrungen können entsprechend auf die Gruppe übertragen werden und dort auch geübt werden. Zum Heilpädagogischen Reiten gehören neben dem direkten Kontakt zum Pferd auch der Umgang mit dem Pferd und die Pflege des Tieres. Übungen am und auf dem geführten Pferd gehören ebenfalls zu dieser Therapieform, wie auch die Arbeit im Stall. Dabei können auch Projekte angestrebt werden, wie Reiterspiele, Geländereiten und auch Wanderreiten. Hier soll der Umgang mit den Pferden das soziale Verhalten der Patienten prägen.

Heilpädagogisches Voltigieren

Bei dieser Therapieform des therapeutischen Reitens werden auf dem Pferd, das an der Hand oder an der Longe geführt wird, gymnastische Übungen und auch Geschicklichkeitsspiele ausgeführt – wie beim Voltigieren, bei dem auf dem geführten Pferd Turnübungen gezeigt werden. Beim Heilpädagogischen Voltigieren wirkt sich der Bewegungsrhythmus der Pferde lockernd, ausgleichend und auch Angst lösend aus. Die Wahrnehmung des Reiters wird auf vielfältige Weise ganzheitlich angesprochen. Eine individuelle Therapieplanung ermöglicht eine Abstimmung auf die verschiedenen Problematiken der Patienten und auch auf die jeweiligen Anforderungen der Behinderung oder Störung, an der der Patient leidet.

Hippotherapie

Bei der Hippotherapie werden speziell ausgebildete Pferde zur Physiotherapie eingesetzt. Das Reitpferd soll dabei als Medium fungieren, indem es die Bewegungsimpulse auf das Becken des Reiters oder der Reiterin überträgt. Der heilende Effekt soll dabei erreicht werden, indem sich der Körper des Menschen auf die Impulse durch die Bewegungen des Pferdes anpassen und einpendeln muss. Diese Form des therapeutischen Reitens ermöglicht es zum Beispiel Menschen, die an einer halbseitigen Lähmung leiden, ein Gefühl für ihre Körpermitte zu entwickeln. Ebenfalls wirkt sich das therapeutische Reiten positiv auf die Muskelspannung aus – so spannen sich schlaffe Muskeln durch die Hippotherapie an und zu stark angespannte Muskeln lockern sich und geben nach. Wie auch beim herkömmlichen Reiten trägt das therapeutische Reiten zu einer guten Gesamthaltung bei – vor allem die Haltung des Oberkörpers wird verbessert – und auch das Balancegefühl verbessert sich beim Reiten und auch beim therapeutischen Reiten.

Die Hippotherapie soll allerdings bei Patienten, die an Entzündungen der Wirbelsäule leiden oder bei denen eine Gefahr von Thrombose oder Embolie besteht, nicht angewandt werden. Ebenso sollte von einer Hippotherapie abgesehen werden bei Patienten mit der Bluterkrankheit, mit einem aktiven Schub bei multipler Sklerose oder auch mit einer Allergie auf Pferdehaare. Eine Hippotherapie erfolgt in der Zusammenarbeit eines Hippotherapeuten und eines Physiotherapeuten und falls der Hippotherapeut gleichzeitig auch Physiotherapeut ist, arbeitet er mit einem Longenführer zusammen.